PLATFORM GLITCH AESTHETICS

Ian Keaveny aka crash stop - Meta II, 2026 (c) The Artist
Ian Keaveny aka crash stop - Meta II, 2026 (c) The Artist

FALLING FROM THE SHOULDERS OF GIANTS
COLD FEET – LONG ARMS

Förderprojekt Kulturland Brandenburg
Von hier aus Zukunft 
Geglitchte Entitäten: Dekonstruktionen von Fortschrittsnarrativen, technischen Dominanzen und psychologischer Kontrolle

Basierend auf dem Konzept FALLING FROM THE SHOULDERS OF GIANTS (2026-2027) beschäftigen wir uns mit Zusammenhängen von Kunst, Körper, KI & Kosmos, in Verbindung mit Ost-West-Deutscher Identität, Staatssicherheit & Überwachung, sprachlichen wie körperlichen Einschreibungen in Gewaltregimen. Konzeptionell geht es um Recherchen zum Wörterbuch der Staatssicherheit, Kartierungen der Juristischen Hochschule am Campus Golm (1951-1990), insbesondere der Operativen Psychologie. COLD FEET - LONG ARMS ist der Titel eines 2-jährigen Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramms.

Das Veranstaltungskonzept schafft und untersucht aktuelle künstlerische Auseinandersetzungen mit künstlicher Intelligenz, Körperbildern, Kontrolle und Erinnerung – vor dem Hintergrund der Geschichte Brandenburgs als Ort der Macht- und Wissensproduktion. Besonderes Augenmerk liegt 2026 auf der Juristischen Hochschule Potsdam (1951–1990), dem zentralen Ausbildungsort der DDR-Staatssicherheit, und dem dort entwickelten Instrumentarium der Operativen Psychologie, das auf Disziplinierung, Steuerung und Destabilisierung von Personen abzielte.
Mit künstlerischen Methoden digitaler und nicht-digitaler Prozesse werden diese historischen Machttechniken heutigen KI-Dominanzen und Kontrollnarrativen gegenübergestellt.

Der Körper als künstliches Konstrukt – historische und digitale Paradigmen

Wie wird der Körper in ideologischen Systemen durch Technologie konstruiert? Die Ausstellung verknüpft aktuelle KI-kritische Positionen mit den Körperkonzepten der DDR-Staatssicherheit, die mittels operativer Psychologie versucht hat, Menschen durch Überwachung, Isolation, Desorientierung und Selbstzweifel zu destabilisieren. In einer Linie mit Schönheitsidealen, digitaler Optimierung und psychologischer Profilbildung der Gegenwart zeigt sich: Der „optimierte“ Mensch bleibt eine politische Projektionsfläche. Es ist geplant, mit Apparaten der Medizintechnik zu arbeiten.

Kontrolle durch Sprache – das Wörterbuch der Staatssicherheit als Instrument

Das Wörterbuch der Staatssicherheit offenbart, wie Sprache zur Vernebelung und Legitimation repressiver Maßnahmen genutzt wurde. Es begegnet der KI-generierten Sprache von heute – mit ihren normativen, entkontextualisierten Outputs – in Form künstlerischer Rekonstruktion, Umcodierung und Verfremdung. Die Ausstellung nutzt das Wörterbuch als Textquelle, ästhetisches Objekt, Denkraum für kritische Kunst sowie als Grundlage für Rezitationen und Interventionen im öffentlichen Raum.

Der menschliche Geist unter Extrembedingungen – Operative Psychologie und KI

Inwiefern lassen sich Kontrollmechanismen der DDR-Staatssicherheit mit den unsichtbaren Steuerungsmodellen heutiger Algorithmen vergleichen? Künstlerische Positionen rekonstruieren, irritieren oder „glitchen“ Prozesse, die auf Verhaltensvorhersage, psychologischer Beeinflussung oder Gamification beruhen – damals wie heute.
Eine wichtige Rolle auch in dieser Projektphase spielen die Publikationen der ostdeutschen Schriftstellerin Ines Geipel; gemeinsam wollen wir uns mit der vergessenen Schriftstellerin Jutta Petzold beschäftigen.

Verlorene Körper, verlorene Kontrolle – Techniken der Zersetzung und des Ghostings

Künstler:innen setzen sich mit Dekonstruktionen des Körpers auseinander. Die Jahre 1951-1990 in der DDR zeigen: der Körper war stets auch Überwachungsobjekt und als kulturelles Konstrukt an unterschiedlichen Schnittstellen zu Sport-, Raumfahrt- und Militärmedizin. Parallelen zwischen der Zersetzungstaktik der Stasi und heutigen „Disappearance“-Techniken digitaler Systeme (Shadow Banning, Deplatforming, Deepfakes) werden mit künstlerischen Mitteln untersucht.


Glitch Art als künstlerischer Widerstand – Gegensteuerung durch Störung

Störung wird zur Strategie: In der DDR war sie repressives Mittel der Macht, in der digitalen Gegenwart ein kreatives Prinzip der Gegenwehr. Glitch Art unterwandert Datenströme, hinterfragt KI-Dominanz und setzt alternative Lesarten durch Fragmentierung, Überlagerung und Kontextverschiebung.
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Kooperationspartner & Veranstaltungsort u.a. Digitalvilla in Potsdam
Institut für Wirtschaftsinformatik, Prozesse und Systeme der Universität Potsdam
Hedy-Lamarr-Platz, 14482 Potsdam
Besuch der Ausstellung auf Anfrage kontakt(at)verena-voigt-pr.de
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Mit freundlicher Unterstützung von Dr. med. Michael Kassel und Dr. phil. Tilman Engel,  Hochschulambulanz, Zentrum für Sportmedizin, Freizeit-, Gesundheits- und Leistungssport Professur Sportmedizin und Sportorthopädie der Universität & der Plattform NOVEL.
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FALLING FROM THE SHOULDERS OF GIANTS ist ein im Rahmen von „Von hier aus Zukunft – Kulturland Brandenburg 2026/2027“ unterstütztes Kunstprojekt. Kulturland Brandenburg ist gefördert durch Mitteln des Landes Brandenburg; mit freundlicher Unterstützung der brandenburgischen Sparkassen.

PUBLIKATIONEN
BOOK No. 1, 2023
GlitchPhenomena.3.0.
A CURATORIAL ESSAY
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BOOK No. 3, 2025
GLITCH: ONTOLOGICAL & EXHAUSTIONS SYSTEM FAILURES
DOCUMENTATION, SPAZJU KREATTIV, VALLETTA, MALTA
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Die PLATFORM GLITCH AESTHETIC konnte im Jahr 2023 mit Hilfe der NEUSTART KULTUR-Förderung "Plattformen der Bildenden Kunst" aus den Mitteln der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien gegründet werden. Das Ausstellungs- und Diskussionsprogramm gab faszinierende Einblicke in die Alchemie der Glitch Art, des Glitch Feminismus und thematisierte Themen wie Algorithmensucht, KI-Detoxifikation und Halluzination. Plattform-Kuratorin ist Verena Voigt M.A.
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FALLING FROM THE SHOULDERS OF GIANTS: HOT FEET - LONG ARMS. Artists & Activists: Domenico Barra, Michael Betancourt, Ruth Bianco, Ian Keaveny, Katrin Leitner, Bjørn Melhus, Rosa Menkman, Joana Moll & Niklas Washausen. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit KULTURLAND BRANDENBURG in 2025/2026 und veröffentlichen in Kürze dazu Details.
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Moderation/ Konzept: Verena Voigt M.A. GFZK e.V. (Kuratorin)
In Zusammenarbeit mit Domenico Barra (IT/MT), Michael Betancourt (USA), Ian Keaveny (IRE), Sten Niklas Washausen (DE) & Univ.-Prof. Dr.-Ing. Norbert Gronau, Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik, Prozesse und Systeme.

Digitalvilla in Potsdam
Hedy-Lamarr-Platz, 14482 Potsdam

Für die Förderungen in 2023 bedanken wir uns herzlich bei den Künstler*innen und Kreativen, der STIFTUNG KUNSTFONDS und der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (2023), dem ZeM-Brandenburgische Zentrum für Medienwissenschaften (2023), dem FU:BAR (2024), dem IKT (seit 2021), dem Spazju Kreattiv (2025), dem VDA + VDC (2025), dem German Maltese-Circle / Goethe-Institut (2025) & Aksioma (2025). Den MEDIEN danken wir für die aufmerksame Begleitung des Aufbaus der PLATFORM GLITCH AESTHETICS.